Wenn die Arbeit den Rücken kaputt macht

Rücken

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Muskel-Skelett-Erkrankungen verursachen nach wie vor mehr als ein Viertel der betrieblichen Ausfallzeiten. Sie stehen in Deutschland ebenso wie in anderen Industriestaaten an der Spitze der Krankheitsstatistiken. Ein erheblicher Teil dieser Erkrankungen ist arbeitsbedingt. Unter dem Motto „Pack's leichter an!” widmet sich die Europäische Woche für Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit in diesem Jahr deshalb den Muskel- und Skeletterkrankungen (MSE).

Mit dieser europäischen Aufklärungs- und Informationskampagne soll ein integriertes Konzept zur Bewältigung von MSE gefördert werden, das die Verhütung von Muskel- und Skeletterkrankungen beinhaltet. Auch Weiterbeschäftigung, Rehabilitation und die Wiedereingliederung von Arbeitnehmern, die bereits an Muskel- und Skeletterkrankungen leiden, stehen im Fokus der Europäischen Woche. Organisiert wird die Kampagne von der Europäischen Arbeitsschutzagentur.

Risikobranche Landwirtschaft

Besonders in der Landwirtschaft sind Muskel-Skelett-Erkrankungen ein großes Problem. Das belegen einige Zahlen:

  • Knapp 60 Prozent aller Beschäftigten in den Sektoren Landwirtschaft und Fischerei verbringen die Hälfte ihrer Arbeitszeit oder länger in einer für sie schmerzhaften Körperhaltung. Diese Zahl ist in keinem anderen Arbeitssektor so hoch.
  • Fast 50 Prozent aller Beschäftigten in der Landwirtschaft tragen die Hälfte ihrer Arbeitszeit oder länger schwere Lasten.
  • Mehr als 50 Prozent der Beschäftigten in der Landwirtschaft führen die Hälfte ihrer Arbeitszeit oder länger sich immer wiederholende Handbewegungen aus.
  • Beschäftigte in der Landwirtschaft sind besonders gefährdet, was Erkrankungen des unteren Rückens und der oberen Gliedmaßen angeht.

In den meisten Fällen entstehen MSE nicht durch einen einzelnen Risikofaktor, sondern durch eine Kombination von Belastungen. Wer z. B. schwere Lasten trägt oder in körperlichen Zwangshaltungen arbeitet, tut dies häufig auch unter schlechten Witterungsbedingungen wie Kälte oder Nässe, unter schlechter Arbeitsplatzgestaltung oder unter Stress und Zeitdruck.

Sozialpartnervereinbarung für bessere Arbeitsgestaltung

Die gesundheitlichen Probleme reichen von allgemeinem Unwohlsein und leichten Schmerzen bis hin zu ernsthaften Erkrankungen, die neben dem Arbeitsausfall auch einen Krankenhausaufenthalt und medizinische Versorgung erforderlich machen können. Wird die Erkrankung chronisch, kann sie Invalidität und damit den Verlust des Arbeitsplatzes zur Folge haben. Viele der Beschwerden könnten vermieden oder zumindest verringert werden, wenn die bestehenden gesetzlichen Vorschriften zu Sicherheit und Gesundheitsschutz sowie die berufsgenossenschaftlichen Regeln eingehalten würden.

Bereits am 21. November 2005 unterzeichneten die europäischen Sozialpartner in der Landwirtschaft eine „Europäische Vereinbarung über die Reduzierung der Gefährdung der Arbeitnehmer gegen arbeitsbedingte Muskel- und Skeletterkrankungen in der Landwirtschaft”. Die EU-Kommission ist nach längerer Prüfung zu der Auffassung gekommen, der bestehende Rechtsrahmen für den Schutz vor arbeitsbedingten reiche nicht aus und MSE müsse verbessert werden. Die europäischen Sozialpartner in der Landwirtschaft haben in diesem Zusammenhang Stellung bezogen.

Gewerkschaften wollen einen besseren Rechtsrahmen

Grundsätzlich wird die Idee, eine eigene verbindliche Richtlinie zum Schutz der Arbeitnehmer vor Muskel- und Skeletterkrankungen zu schaffen, von den Sozialpartnern begrüßt. Die Gewerkschaften plädieren insbesondere für eine Einzelrichtlinie, mit der alle signifikanten Risikofaktoren arbeitsbedingter Muskel-Skelett-Erkrankungen erfasst und Mindestanforderungen für Sicherheit und Gesundheit festgelegt werden sollen. Hier könnte dann endlich auch eine umfassende Definition arbeitsbedingter Muskel-Skeleltt-Erkrankungen vorgenommen werden. Dabei müssten alle Krankheit auslösenden Faktoren in ihrer möglichen Kombination berücksichtigt werden. Außerdem sollten die Richtlinie zur Handhabung schwerer Lasten (90/269/EWG) und zur Bildschirmarbeit (90/270/EWG) mit Blick auf MSE verbessert und konkretisiert werden.

Beide Seiten wünschen sich nationale und europäische Beobachtungsstellen. Diese Beobachtungsstellen sollen sich nicht allein auf das Sammeln statistischer Daten konzentrieren, sondern mit Hilfe der gewonnen statistischen Erkenntnisse wirksame Präventionsstrategien entwickeln. Damit wäre ein wichtiger Schritt in Richtung eines wirksamen Rechtsrahmens zur Verhinderung von arbeitsbedingten Muskel- und Skeletterkrankungen eingeleitet.