Saisonarbeit - sozial und fair

Spargelstecher

© Mehmet Ünal

Ein Label für menschenwürdige Arbeitsbedingungen

Kaffee hat schon eins. Obst, Gemüse, Fleisch und Milch haben oft sogar mehrere. Holz auch. Ärzte hätten gerne eins, Lehrer und Universitätsprofessoren aber auf gar keinen Fall. Die Rede ist hier von Qualitätssiegeln oder Labeln, von manchen heiß begehrt, von anderen wiederum sehr gefürchtet. Nur wenige der auf dem Markt verbreiteten Verbraucherlabel berücksichtigen aber auch soziale Kriterien. Die IG BAU führt jetzt in Kooperation mit dem Peco-Institut, der Stiftung Soziale Gesellschaft sowie dem Europäischen Verband der Wanderarbeiter ein Verbraucherlabel ein, das auch nach den Beschäftigungsbedingungen der Saisonarbeitnehmer in der Landwirtschaft fragt.

Ein innovatives Instrument

„Mit diesem Siegel wollen wir ein innovatives Instrument schaffen, über das Unternehmen freiwillig zeigen können, dass sie für nachhaltige Arbeitsbedingungen sorgen”, erläutert Projektleiter Thomas Hentschel. Das neu zu schaffende Zertifizierungsinstrument soll einen fairen Wettbewerb zwischen den Betrieben fördern, interessierte Saisonarbeitskräfte über Unternehmen informieren und den landwirtschaftlichen Betrieben als Werbung für gute Unternehmenspraxis dienen. Die Vergabekriterien beziehen sich auf die Handlungsfelder

  • Einkommen,
  • Arbeits- und Gesundheitsschutz,
  • Mitbestimmung,
  • Ausgestaltung des Arbeitsvertrages,
  • Unterbrinung und
  • Arbeitszeit.

Überschaubarer Aufwand

Seit März 2007 besucht ein Projektmitarbeiter landwirtschaftliche Unternehmen, die Saisonarbeitskräfte beschäftigen. Mit Hilfe des Kriterienkatalogs erstellt er eine unverbindliche Rangliste der besichtigten Betriebe. Dieses Ranking und die Erfahrungen aus den Betriebsbegehungen sollen dann in weitere Gespräche oder Verhandlungen mit den Unternehmern und deren Verbänden einfließen. Das Ziel ist eine einheitliche Zertifizierung. Viele Betriebe reagieren bisher zurückhaltend. Die Initiatoren legen die Kriterien deshalb bewusst so an, dass der Prüfaufwand niemanden überfordert. Man kann in einem Betrieb sofort sehen, ob Saisonarbeitskräfte angemessen untergebracht sind, ob Arbeitsverträge in der jeweiligen Landessprache zur Verfügung stehen oder ob sie überhaupt existieren.

Thomas Hentschel arbeitet auf drei Ebenen. „Auf betrieblicher Ebene wollen wir mit dem Ranking dafür sorgen, dass sich möglichst viele Unternehmen beteiligen”. Auf nationalstaatlicher Ebene sollen insbesondere die Verbände über die Kriterien für faire Saisonarbeit informiert werden. Auf europäischer Ebene sollen soziale Standards eine stärke Stellung in der gemeinsamen Agrarpolitik einnehmen.

» www.saisonarbeit.org