Reform der gemeinsamen Agrarpolitik

Holger Bartels

Holger Bartels

Die öffentliche Debatte der EU-Kommission zur Reform der GAP geht dem Ende zu. Alle betroffenen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sind aufgerufen, sich daran zu beteiligen. Anbei findet Ihr die Antworten, die wir als IG BAU auf die folgenden 4 Fragen der EU-Kommission gefunden haben:

1. Warum benötigen wir eine Gemeinsame Agrarpolitik?
2. Was erwarten die Bürger von der Landwirtschaft?
3. Warum muss die GAP reformiert werden?
4. Welches Instrumentarium benötigen wir für die GAP von morgen?

Unsere Antworten

Frage 1: Warum benötigen wir eine Gemeinsame europäische Agrarpolitik?

Die landwirtschaftlichen Arbeitnehmer kämpfen für ein soziales Europa. Für dieses soziale Europa brauchen wir mehr europäische Politik statt weniger. Bisher ist nur die Agrarpolitik europäisch - Sozialpolitik usw. ist immer noch nationale Sache.

Die Gemeinsame Agrarpolitik ist ein Erfolg. Die gemeinsame Anstrengung aller Mitgliedstaaten schafft Arbeit, Lebensmittelsicherheit, lebendige ländliche Räume und stärkt die Wirtschaftskraft. Ein Zurück in die nationalen Politiken würde Konkurrenz statt Kooperation fördern - zulasten der Bürger.

Die EU ist nach den Erweiterungen noch ländlicher geworden. Ohne eine Gemeinsame Agrarpolitik wäre die ohnehin schlechte Situation der Beschäftigten noch desolater. In Zukunft werden wir noch stärker mit anderen Weltregionen kooperieren und konkurrieren. Deshalb müssen wir uns gemeinsam auf die Anforderungen der Zukunft vorbereiten. Das Europäische Agrarmodell kann Vorbild für die agrarische Entwicklung in anderen Weltregionen werden, wenn wir soziale und ökologische Standards als strategische Eckpfeiler nutzen. Das geht nur europaweit und nicht national.

Frage 2: Was erwarten die Bürger von der Landwirtschaft?

Arbeitnehmer der europäischen Landwirtschaft leben und arbeiten in den Betrieben und ländlichen Räumen. Wir erwarten faire Arbeitsbedingungen, Beteiligung an der wirtschaftlichen Entwicklung und Respekt vor unseren Leistungen, ohne die eine starke Landwirtschaft nicht möglich wäre. Wir erwarten, von unseren Altersrenten menschenwürdig leben zu können.

Saisonarbeiter erwarten menschenwürdige Unterkunft und Unterweisung in örtliche Sicherheits- und Gesundheitskonzepte, um sich schützen zu können.

Wir erwarten nachhaltige Betriebe und lebenswerte ländliche Räume mit funktionierenden Sozialbeziehungen, die jungen Menschen Perspektiven versprechen und die strukturell nicht von den Metropolen abgekoppelt werden, Zugang zu Ausbildung, regionaler Infrastruktur und modernen Kommunikationsmitteln.

Wir wollen mehr umweltverträgliche Landwirtschaft und Schutz statt Schädigung des Klimas. Und wir erwarten, dass wir uns an die kommenden Veränderungen frühzeitig anpassen und unser Verhalten ändern. Wir erwarten eine angemessene Entwicklung gerade in den benachteiligten Regionen der Union mit traditionellen und regionalen Produkten.

Frage 3: Warum muss die GAP reformiert werden?

Beschäftigungssicherung muss Teil der GAP werden. Nur wenn die GAP als Teilpolitik die allgemeinen Ziele Europas fördert, wird sie akzeptiert und finanziert. Beschäftigung ist eine der obersten Prioritäten der EU und muss sich in der GAP widerspiegeln.

Zwar wird in Europa jede Kuh gezählt, aber wie viele Menschen in der Landwirtschaft arbeiten, weiß niemand. Deshalb muss sich die GAP nicht nur an dem Umfang der Fläche orientieren, sondern auch an der Anzahl der beschäftigten Menschen.

Da Landwirtschaft der gefährlichste Wirtschaftssektor Europas ist, müssen europäische Arbeitsschutzregeln Gegenstand der GAP werden.

Soziale Standards müssen in die GAP integriert werden.

Durch viele Reformen der letzten Jahre sind massenhaft Betriebe und Arbeitsplätze vernichtet worden. Deshalb dürfen nicht nur Betriebe von GAP basierten Anpassungsmaßnahmen profitieren, sondern es müssen auch Instrumente für die Anpassung der Beschäftigten ermöglicht werden, um sie zeitig auf Änderungen vorzubereiten. Fortbildung ist auch für Arbeitnehmer in die GAP aufzunehmen.

Frage 4: Welches Instrumentarium benötigen wir für die GAP von morgen?

Die GAP muss nachhaltig werden und neben wirtschaftlichen auch soziale und ökologische Instrumente nutzen.

Arbeitnehmer sollen als Zielgruppe und Teil der landwirtschaftlichen Familie in die GAP aufgenommen werden. Sie tragen viel zum Erfolg der Landwirtschaft in Europa bei und dürfen nicht länger ausgeschlossen werden. Deshalb sollen künftig nicht nur die Flächen, sondern auch die Anzahl an Beschäftigungsverhältnissen zur Höhe von GAP Zahlungen herangezogen werden.

Europäische Arbeitsschutzregeln sollen in die Cross Compliance aufgenommen werden, um die Arbeit in der Landwirtschaft sicherer zu machen. Betriebe, die besonders gegen europäische Arbeitsschutzstandards verstoßen, sollen von GAP Zahlungen ausgeschlossen werden.

Klimaschutz soll in der neuen GAP gestärkt und Anpassungsmaßnahmen der Landwirtschaft auf Klimaänderungen sollen ermöglicht werden. Agrarexportsubventionen sollen gestrichen werden, sie vernichten Arbeitsplätze in anderen Weltregionen.

Nachhaltige und innovative Arbeitsplätze sollen durch die Politik der ländlichen Entwicklung gefördert und die Benachteiligung in neuen Mitgliedstaaten beendet werden.

 

» Hier klicken zum Beteiligen.

 

i.A. Holger Bartels
IG Bauen-Agrar-Umwelt
- Bundesvorstand -
Vorstandsbereich I - Bundesvorsitzender
Leiter der Abteilung Agrar und Umwelt