Milchproduktion in der Krise - Arbeitsplätze zukunftsfähig sichern

Milchkuh

© M.Boehm

Die Agrargewerkschaft Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) weist auf die nach wie vor schwierige Situation der rund 42 000 Arbeitnehmer in der milcherzeugenden Landwirtschaft hin. „Bereits jetzt haben mehrere hundert Arbeitnehmer in Deutschland ihren Arbeitsplatz verloren. Ein Ende der Arbeitsplatzvernichtung ist nicht absehbar“, sagt Holger Bartels, bei der Agrargewerkschaft verantwortlich für die Landwirtschaft.

Auch ein Jahr nach dem Lieferboykott der Landwirte zugunsten höherer Milchpreise und damit sicherer Löhne in der Landwirtschaft hat sich an der prekären Lage der Arbeitnehmer in der Milchproduktion nichts geändert. Die IG Bauen-Agrar-Umwelt führt die Krise auf das Versagen einer Politik zurück, die ausschließlich auf Zuwachsraten in neue Exportmärkte ausgerichtet ist. „Diese Politik entpuppt sich jetzt infolge der globalen Krise als Märchen“, sagt Gewerkschafter Holger Bartels. Die IG BAU fordert eine Milchpolitik, die den notwendigen Strukturwandel sozialverträglich unterstützt, d.h. Konzentrationsprozesse der Milchbetriebe auf ein verträgliches Maß begrenzt. Anderenfalls würden gewachsene Strukturen im ländlichen Raum zerstört und Arbeitsplätze gefährdet. Molkereien sollten in ihrer Funktion als Bindeglied zwischen Erzeugern und Einzelhandel zu sozialverantwortlichem und nachhaltigem Handeln verpflichtet werden. Eine Lieferkette von Produzenten, Verarbeitern und Handel muss gemeinsam verantwortlich handeln. Die politisch Verantwortlichen sollen diese Interessen bündeln und verantwortlich umsetzen. Die Agrargewerkschaft ist zu diesem Schritt bereit und fordert Molkereien und Handel auf, über ihren Schatten zu springen. In Abstimmung mit den Agrargewerkschaften der europäischen Agrarföderation (EFFAT) haben die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ein Positionspapier erarbeitet.