Landwirtschaft und Klimawandel in Den Haag diskutiert

Maisacker

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Die Weltkonferenz zu Landwirtschaft, Nahrungssicherheit und Klimawandel war vom 31. Oktober bis 5. November 2010 in Den Haag zu Gast. Die Konferenz war von großer Bedeutung, denn zum ersten Mal wurden die drei Themen gemeinsam diskutiert, mit dem Ziel, neue Schwerpunkte für die Landwirtschaftspolitik zu setzen: Zum einen muss sie die Ernährungssicherheit trotz Klimawandels sicherstellen, zum anderen für einen effizienteren Klimaschutz sorgen. Am Ende stand ein Handlungswegweiser, der von den zuständigen Landwirtschaftsministern unterschrieben wurde. Einladende Länder waren die Niederlande, Äthiopien, Neuseeland, Norwegen und Vietnam sowie die Weltbank und die Welternährungsorganisation (FAO).

Tiefgreifende Veränderungen sind vorhersehbar

Der landwirtschaftliche Sektor ist sehr angreifbar durch Wetter und langfristige klimatische Veränderungen. Die Temperaturen werden in Deutschland regional und jahreszeitlich unterschiedlich um 1,5 bis 3,7 °C steigen, der Sommerniederschlag wird um 30 Prozent geringer ausfallen, Zahl und Dauer von Hitzewellen werden steigen, der Meeresspiegel im Mittel um 30 Prozent höher liegen als heute. Dadurch werden sich Jahreszeiten verschieben, der Fruchtanbau wird sich ändern, Trockenzeiten und extreme Wetter werden auftreten. Als Folge werden Bewässerungssysteme und Grundwasserschutz weiteren Herausforderungen gegenüber stehen.

Millenniumsziel schon jetzt verfehlt

Ausgetrockneter Boden

Der Klimawandel bedroht die Landwirtschaft und damit die Welternährung

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Bestimmte Regionen der Welt, in denen oft mehr als 75 Prozent der Bevölkerung direkt von ihren landwirtschaftlichen Erträgen abhängig sind, werden von diesen Veränderungen besonders betroffen sein. Für Afrika und Asien wird ein Rückgang der Ernteerträge wichtiger Grundnahrungsmittel wie Mais, Reis und Weizen erwartet. 2009 überschritt die Zahl der Hungernden bereits die Marke von einer Milliarde Menschen. Gleichzeitig steigt die Weltbevölkerung weiter, bis 2050 wahrscheinlich auf 9 Milliarden Menschen. Damit ist das Millenniumsziel, die hungernde Weltbevölkerung bis 2015 zu halbieren, sehr wahrscheinlich verfehlt.

Landwirtschaft als Teil der Lösung

Es ging auf dieser Weltkonferenz für Landwirtschaft also darum, Landwirtschaft nicht länger als Teil des Problems Klimawandel, sondern als Teil seiner Lösung zu betrachten. Landwirtschaft ist grundlegend, um die Ernährung einer wachsenden Weltbevölkerung und damit eine Perspektive auf dauerhafte menschenwürdige Existenz und ländliche Entwicklung sicherzustellen.

Wir brauchen daher eine Landwirtschaft, die sowohl den Klimawandel als auch den Klimaschutz einbezieht. Entsprechend wurden in Den Haag Praxis- und Länderbeispiele, neue Technologien und Regulationsvorschläge vorgestellt.

Konferenz in der Kritik

Doch Harmonie gab es auch auf dieser internationalen Konferenz nicht. Die Zivilgesellschaft vor Ort, wie das Thirdworldnetwork und das Institute for Agriculture and Trade Policy, machte in einem Statement auf die Missstände während der Konferenz aufmerksam. Neben einem Mangel an Transparenz und Partizipation von Ländern mit zu geringen Ressourcen kritisieren sie das Fehlen elementar wichtiger Themen auf der Agenda. So blieben die Probleme, die mit industrieller Landwirtschaft einhergehen (z.B. Bodenerosion, hohe Stickstoffemissionen, Wasserverunreinigungen, Entwaldung etc.) unerwähnt.

Auch Handelsregulierungen, die Verteilung von Produktion und Subventionen und die Folgen für Preise von Agrarprodukten wurden nicht thematisiert. Die verhärteten Fronten in den Klimaverhandlungen zeigten sich auch auf dieser Konferenz. Denn es sind hauptsächlich die Emissionen der Industrieländer, die den Klimawandel verstärken. Die Leidtragenden sind wiederum die Menschen in den Entwicklungsländern.

Nachholbedarf auch bei Sozialen Standards

Als Landwirtschaftsgewerkschaft ist es auch der IG BAU wichtig, zu welchen Ergebnissen die Konferenz für Landwirtschaft, Nahrungssicherheit und Klimawandel kommt. Denn bei der Erfüllung bzw. beim Setzen sozialer Standards, wie der Einbeziehung der Arbeitnehmer in politische Entscheidungen, angemessener und lebenswürdiger Löhne, der Gestaltung des Arbeitsschutzes oder der Möglichkeit der Organisation, hat die Landwirtschaft weltweit – ob Industrie- oder Entwicklungsland – noch starken Aufholbedarf.

Dabei geht es der IG BAU ganz sicher nicht nur um landwirtschaftliche Arbeitnehmer und Wanderarbeiter. Es geht auch darum, Landwirtschaft und die durch landwirtschaftliche Arbeit hervorgebrachten Werte in Bezug auf Landschaft, Biodiversität, Tierrassen und Pflanzenarten als öffentliche Güter zu verstehen, an denen alle ein Interesse haben. Es geht schlicht und einfach um unser aller Existenzgrundlage.

 

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