Noch mal gut gegangen – IG BAU hilft Musterbetrieb zu erhalten

Bernd Röhrborn

Bernd Röhrborn, Betriebsrat der Wassergut Canitz GmbH

Nein, Reis wird im Wassergut Canitz nicht angebaut, auch Bootsfahrten werden nicht angeboten. Die Wassergut Canitz GmbH ist ein Landwirtschaftsbetrieb, der sich als zertifizierter Musterbetrieb des ökologischen Landbaus besonders dem Trinkwasserschutz verschrieben hat. Das vorbildliche Konzept und auch die Zukunft der 12 Beschäftigten standen nun auf dem Spiel.

Das Wassergut Canitz verdient besondere Aufmerksamkeit, denn die 750 Hektar bewirtschaftete landwirtschaftliche Nutzfläche des Betriebes befinden sich im Einzugsgebiet der Wasserwerke Canitz, die wiederum maßgeblich für die Versorgung der Großstadt Leipzig mit Trinkwasser verantwortlich sind.

Bedrohliche Verkaufsabsichten

Als Landwirtschaftsbetrieb ist das Wassergut ein Tochterunternehmen der Kommunalen Wasserwerke Leipzig GmbH und damit eng mit der Leipziger Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft GmbH verknüpft. Und genau hier hat sich vor fast einem Jahr ein Problem aufgetan, das den Kollegen den Schreck in die Glieder hat fahren lassen.

Wasssergut Canitz

Mit dem verkauf des Betriebes sollten die kommunalen Kassen entlastet werden

Die Stadt Leipzig hat erklärt, zur Deckung einer Finanzierungslücke von 123 Millionen Euro bis 2014, zu der auch die Zocker-Orgien ehemaliger Manager der Wasserwerke Leipzig erheblich beigetragen haben, müsse neben anderen Unternehmensteilen auch die Wassergut Canitz GmbH an einen Interessenten verkauft werden.

Große Unsicherheit machte sich bei den Kollegen breit und solche Fragen, wie: Was wird mit unseren Arbeitsplätzen? Was wird aus der langen Betriebszugehörigkeit? Wird der „Neue“ die hohen Anforderungen an den ökologischen Landbau erfüllen können und wollen?

Rettendes Netzwerk geknüpft

Nach einigen Diskussionstagen und schlaflosen Nächten haben die Kollegen das einzig Richtige getan: Sie haben sich an die für die grünen Berufe zuständige IG BAU gewendet, sind allesamt Gewerkschaftsmitglieder geworden und haben einen Betriebsrat gewählt. Damit waren die besten Voraussetzungen geschaffen, ein breites Netzwerk zu den Betriebsräten der Wasserwerke, zum Gesamtbetriebsrat, zu den Abgeordneten der verschiedenen Fraktionen im Stadtrat zuschaffen.

Liane Benndorf

Gewerkschaftssekretärin Liane Benndorf ist zuständig für die "Grünen" Branchen in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen

Als Betriebsrat und Vertreter der Beschäftigten des Wassergutes nahm Bernd Röhrborn die Möglichkeit wahr, mit verschiedensten Verantwortungsträgern zu sprechen und hat dort Gehör gefunden. Seine Einwände wurden in den Prozess der Entscheidungsfindung des Gesamt- und des Konzernbetriebsrates und der Abgeordneten einbezogen. Dabei musste er feststellen, wie wenig bekannt doch das ist, was er und seine Kollegen in ihrem Wassergut leisten. Alle reden vom Schutz der natürlichen Ressourcen, aber kaum einer weiß, was wirklich dahinter steckt.

Kurz vor Weihnachten dann die gute Nachricht für die Kollegen: Das Wassergut ist aus den Verkaufsabsichten der Stadt zu nächst gestrichen. „Wir haben alles richtig gemacht“, meint Bernd Röhrborn, „ohne unser Zutun hätte sich das alles ganz anders entwickelt“.

IG BAU hilft weiter

Der nächste Schritt ist nun, gemeinsam mit der IG BAU einen Haustarifvertrag zu erreichen, um einmal die Einkommensbedingungen der Beschäftigten zu verbessern und berechenbarer zu machen und zum anderen auch Sozialstandards festzuschreiben, die von vornherein bei eventuellen zukünftigen Verkaufsplänen beachtet werden müssen.