IG BAU aktiv im Arbeits- und Gesundheitsschutz

Sicherheitsseminar

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Im Rahmen der europäischen Kampagne zur Gefährdungsbeurteilung macht sich die IG Bauen-Agrar-Umwelt stark in der Unterstützung von Arbeitschutz in den Branchen Landwirtschaft und Bauwirtschaft. Als erstes regionales Seminar für die Branche Landwirtschaft fand am 21. und 22. April 2009 in Wolnzach (Bayern) eine Betriebsräteschulung für Arbeitnehmer aus dem Bereich Tierhaltung (Milchproduktion, Besamung und Pferdezucht) statt.

Referenten aus der IG Bauen-Agrar-Umwelt, den Landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaften (LBG) Niederbayern/Oberpfalz und Schwaben sowie Franken und Oberbayern (FOB) haben die Teilnehmer zum Thema Arbeitschutz und Gefährdungsbeurteilung geschult.

Schwerpunkte waren die Information der Arbeitnehmervertreter über Rechtsgrundlagen, Handlungsmöglichkeiten und Mitbestimmungsrechte der Betriebsräte und die Darstellung der Instrumente an Hand konkreter Beispiele. 

Durch ihre offene, anschauliche Herangehensweise lösten die Referenten einen angeregten und interessanten Meinungsaustausch an, wobei viele den Mangel an regelmäßiger Umsetzung des Arbeitschutzmanagements in ihren Betrieben bedauern.



Am zweiten Tag besichtigten die Teilnehmer eine Milchproduktionsanlage. In drei Gruppen unter jeweiliger Leitung eines Fachmannes der LBG FOB wurde ein Rundgang „Gefährdungsanalyse” vor Ort durchgeführt, um Risiken oder gute Praktiken festzustellen. Das Echo unter den Teilnehmern war sehr positiv, und alle kehrten in ihre Betriebe mit Umsetzungsansätzen und ausgestattet mit der Dokumentation der LBG FOB zur Gefährdungsbeurteilung in der Rinderhaltung zurück. Auch die Organisatoren wünschen sich, in Zukunft erneut Projekte in direkter Zusammenarbeit mit den Arbeitnehmervertretern und den Landwirtschaftlichen Sozialversicherungen durchzuführen, mit dem Ziel, die Betriebsräte stärker in den Arbeitschutz einzubinden.



Für die Region der LBG Mittel- und Ostdeutschland (LBG MOD) trafen sich die Betriebsräte und Arbeitsschützer am 23. und 24. April 2009 in Markkleeberg. Dieses Seminar hatte zwei Schwerpunkte: die Bedeutung der Gefährdungsbeurteilung im Arbeitsschutz und die Mitbestimmungsrechte des Betriebsrates.



Der Leiter des Technischen Aufsichtsdienstes der Berufgenossenschaft MOD, Jürgen Tennert, erläuterte den allgemeinen Stand der Gefährdungsbeurteilung in der Landwirtschaft. Dabei stellte er heraus, dass die Gefährdungsbeurteilung ein gutes Mittel ist, Gefährdungen festzustellen und zu beseitigen. Keine Scheu sollte bestehen, auch Defizite darzustellen. 

Die anwesenden Betriebsräte kritisierten, dass die Unternehmen das Instrumentarium zu wenig nutzen. Besonders problematisch ist die mangelnde Fortschreibung der Gefährdungsbeurteilung bei Veränderungen an Arbeitsplätzen sowie bei der Einführung neuer Technik.

Gemeinsam erfolgte die Erstellung einer Gefährdungsbeurteilung für den Bereich Tierhaltung/Melker. 
In der angeregten Diskussion konnten viele praktische Fragen diskutiert und geklärt werden. Referent Georg Scamoni stellte die Mitbestimmungsrechte der Betriebsräte in einer Präsentation dar. Torsten Müller von der GJEW (Gemeinschaft Jugend, Erholung und Weiterbildung e.V. der IG BAU) rundete die Veranstaltung durch anschauliche Beispiele aus der Betriebsratspraxis ab.



Den Teilnehmern wurde deutlich, dass die Betriebsräte bei der Mitbestimmung im Arbeits- und Gesundheitsschutz nicht nur Rechte, sondern auch umfassende Mitbestimmungspflichten vom Gesetzgeber erhalten haben. 
In der abschließenden Diskussion betonten die Betriebsräte den noch vorhandenen Handlungsbedarf auf betrieblicher Ebene. Hier bot Holger Bartels die Unterstützung der IG BAU an. Auch was die Fortsetzung der Qualifizierung der betrieblichen Akteure betrifft, werden wir gemeinsam gefordert werden: die LBG bei der inhaltlichen und finanziellen Unterstützung; die Betriebsräte bei der Verbreitung des Themas und die IG BAU bei der Schaffung des inhaltlichen und organisatorischen Rahmens. 

Zum Abschluss nahmen die Teilnehmer die Möglichkeit wahr, die Landwirtschaftsaustellung in Markkleeberg zu besuchen. 
Zwei rundherum gelungene Veranstaltungen im Agrarbereich, die im Jahr 2010 Ihre Fortsetzung finden werden.