Gütesiegel für Ernteberiebe

Spargelstecher

© PECO-Institut

Wer lässt sich in die Karten schauen?

Schlechte Arbeitsbedingungen und Billigstlöhne für Saisonarbeiter – damit soll jetzt Schluss sein. Per Gütesiegel können heimische Erntebetriebe nachweisen, dass bei ihnen ordentliche Arbeitsbedingungen herrschen. Die Frage lautet jetzt: Wollen sie auch? Wer will, und wer wird sich als „schwarzes Schaf” herausstellen?

Mit Beginn der Erntesaison hat die IG BAU ihre im letzten Jahr schon vorbereitete Initiative gegen Lohndumping und schlechte Arbeitsbedingungen von Saisonarbeitern gestartet. Dieses Jahr soll das Gütesiegel nun erstmals vergeben werden. Es gilt für alle Betriebe, die Erntehelfer beschäftigen, von den Spargelstechern und Erdbeerpflückern über die Obst- und Gemüse-Erntehelfer bis hin zu den Arbeitskräften in der Weinlese. Das Qualitätssiegel wird von der IG BAU vergeben. Die Initiative wird von der EU-Kommission unterstützt.

Logo Faire Saisonarbeit

Logo Faire Saisonarbeit  Das "f." steht für faire Saisonarbeit in Kooperation mit den Betrieben. Das Siegel ist freiwillig. Die IG BAU setzt auf Vernunft und Kooperation mit den Betrieben. Denn sauber arbeitende Arbeitgeber müssten selbst ein Interesse haben mitzumachen. Das Siegel kann nämlich ein wirksames Instrument sein, um „unsaubere” Konkurrenten sichtbar zu machen.

Worum geht es: Die teilnehmenden Betriebe verpflichten sich, Mindeststandards bei den Lohn- und Arbeitsbedingungen einzuhalten. Dazu gehören

  • Zahlung eines angemessenen Einkommens
  • ausreichender Arbeitsschutz (d. h. die gesetzlichen Bestimmungen müssen eingehalten werden)
  • ordentliche Unterkünfte
  • Beschäftigung auf der Grundlage eines regulären Arbeitsvertrages
  • Einhaltung von Arbeitszeiten.

Die IG BAU überprüft das vor Ort und vergibt nach dem Firmencheck das Gütesiegel, wenn alles in Ordnung ist. Die Checkliste und weitere Informationen gibt es online unter saisonarbeit.org.

Saisonarbeiter-Löhne

Derzeit sind alle Alt-Tarifverträge für Saisonarbeiter gekündigt. In den meisten Regionen laufen derzeit noch Tarifverhandlungen zwischen der IG BAU und den land- und forstwirtschaftlichen Arbeitgebern. Bereits erzielte oder demnächst kommende Abschlüsse werden erst 2009 greifen. Für dieses Jahr gibt es keine gültigen Tarifverträge.

Das bedeutet: Es gilt der ortsübliche Durchschnittslohn. Der liegt gemäß Statistischem Bundesamt in den neuen Bundesländern bei 6,35 € und in den alten Bundesländern bei 7,94 € und bedeutet eine angemessene Bezahlung. Die IG BAU setzt sich dafür ein, das aber zumindest die Untergrenze des europäischen Durchschnittslohns nicht unterschritten wird. Er beträgt im Osten 6,09 € und im Westen 6,99 €. Dabei geht es immer um Grundlöhne, die um eine Leistungskomponente aufgestockt werden sollten.