Erfolgreicher Arbeitnehmertag auf der EuroTier

Arbeitnehmertag

Gut besucht: Arbeitnehmertag auf der EuroTier 2012

1.000 Besucherinnen und Besucher aus allen Bundesländern, vor allem Schülerinnen und Schüler sowie Studentinnen und Studenten - das verzeichnet der sechste Arbeitnehmertag.

Sich selbst und andere motivieren – dieses Motto stand auf dem sechsten Arbeitnehmertag der Landwirtschaftskammer Niedersachsen im Mittelpunkt der Diskussionen. Arendt Meyer zu Wehdel, Präsident der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, konnte auf dem diesjährigen Arbeitnehmertag ca. 1.000 Gäste auf der EuroTier begrüßen.

 

Grußwort des Parlamentarischen Staatssekretärs im Bundeslandwirtschaftsministerium

In seinem Grußwort zum sechsten Arbeitnehmertag betonte Peter Bleser, Parlamentarischer Staatssekretär bei der Bundesministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz: "Wenn es den Arbeitnehmertag nicht schon geben würde, dann müsse man ihn jetzt erfinden. Die Zeit ist reif dafür". Die Agrarbranche richtet sich immer unternehmerischer aus und setzt auf motivierte, gut ausgebildete Mitarbeiter, so Bleser. Der Erfolgsfaktor für Betrieb und Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ist ein leistungsförderndes motivierendes Arbeitsklima und die Tatsache, auch ausgebildeten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die Möglichkeit zur Weiterentwicklung und Fortbildung zu geben. Lebenslanges Lernen ist Motivation und Verantwortung, der sich sowohl Arbeitgeber als auch Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer stellen müssen.

Motivation wird immer wichtiger

Prof. Dr. Harald Grygo stellte fest, dass Motivation im Zusammenhang mit Arbeit oftmals erforderlich, schwierig und problematisch sei. Die Agrarwirtschaft in ihrer gesamten Breite ist vielfältigen Ansprüchen und Herausforderungen ausgesetzt, die motivierte und qualifizierte Mitarbeiter erfordern. Die Herausforderungen und Anforderungen werden weiter steigen und Menschen mit der "richtigen" Einstellung und Motivation immer wichtiger.

Motivation durch Vermeidung von Demotivation

Dr. Stefan Frädrich, Motivationsexperte und Bestsellerautor, attestierte der Agrarwirtschaft, dass Menschen von Grund auf (hoch) motiviert sind. Das gilt auch für Arbeitnehmer/innen und Auszubildende, die einen neuen Job beginnen. Denn Motivation ist nichts anderes als die innere Bereitschaft zur Aktivität. Für Arbeitgeber gehe es also nicht darum, Mitarbeiter motivieren zu müssen, sondern ihren bestehenden inneren Antrieb nicht zu ersticken. Die beste Motivation ist die Vermeidung von Demotivation. Denn besonderes Engagement kann nur von Menschen erwartet werden, die Spaß an ihren Aufgaben haben und die auch eine positive Resonanz dafür erhalten. Motivierte Mitarbeiter/innen arbeiten mit mehr Freude und damit in der Regel auch mit besseren Ergebnissen.

Frädrich forderte auf, die "Komfortzone" der Routine zu verlassen und Veränderung zuzulassen. Es lohnt sich, diesen Schritt zu tun, um die Motivation der inneren Überzeugung und den "inneren Schweinehund", der uns oftmals davon abhält ("Mach’s so wie immer!" Oder: "Das schaffst du sowieso nicht!") zu aktivieren. Frädrich selbst hat ein enges Verhältnis zu seinem inneren Schweinehund, den er Günter nennt. Sein Rat an die jungen Zuhörer, wie man "Günter" besiegt und unbeliebte Arbeiten angeht: "Nicht warten, bis sich die Lust einstellt, sondern anfangen und Erfolg spüren - dann kommt die Motivation von allein".

 

Arbeitnehmertag

Experten auf dem Podium beim Arbeitnehmertag

Faszination Vielfalt der Aufgaben

Für Karsten Brokering, Betriebsleiter und Arbeitgeber sind Kommunikation und ein gutes Arbeitsklima der Schlüssel für Motivation am Arbeitsplatz. Die Vielfalt der Aufgaben in seinem Beruf fasziniere ihn immer wieder aufs Neue. Dies kommuniziere er mit seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Teamgeist ist Motivation für Arbeitnehmer/innen und Arbeitgeber, damit Demotivation gar nicht erst aufkomme. Dazu gehöre für ihn auch, dass Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Sinn für ihre Aufgaben im Betrieb vermittelt werde. Vor dem Hintergrund des Strukturwandels wird es zunehmend größere Betriebe geben, so Brokering. In den vergangenen Jahren ersetzte Technik die Mitarbeiter/innen. "Chef sein" und Mitarbeiterführung haben heute viele verlernt bzw. muss neu gelernt werden.

Anspruchsvolle Arbeit als Motivation

Mareike Asmus, Arbeitnehmerin und Landwirtin ist nicht in der Landwirtschaft groß geworden. Sie hat ihren Beruf aus Freude und Interesse gewählt. Die Arbeit mit den Kühen fasziniert sie. Die Leistung und die Gesundheit der Tiere ist für sie Motivation. Sie beschreibt die Arbeit der Landwirtin bzw. Herdenmanagerin als anspruchsvoll, abwechslungsreich und vielseitig. Besonders nachhaltig demotivierend ist für sie u.a. fehlende Teamarbeit, schlechte oder fehlende Kommunikation, fehlende Absprachen, Nicht-Anerkennen von Leistungen oder Nicht-Einhalten von Zusagen. Motivation am Arbeitsplatz bedeutet für die Arbeitnehmerin insbesondere eine gerechte Entlohnung und Möglichkeiten für die persönliche und fachliche Weiterentwicklung. Motivierend seien auch Gespräche mit Fachexperten wie Arbeitnehmerberatern u.a. bei Fragen zum Arbeitsvertrag, zur Altersvorsorge und zu Weiterbildungsmöglichkeiten.

Respektvoll miteinander umgehen

Jan Plescher aus der Grafschaft Bentheim, der seine Ausbildung zum Landwirt abgeschlossen hat, beschreibt einen "guten Chef" am Beispiel seines Ausbildungsbetriebs: "Mein Ausbilder respektiert mich als Mitarbeiter und Mensch, er steht hinter mir, lässt mich teilhaben an Gesprächen, Auktionen usw., bespricht und verzeiht Fehler wohlwollend und hat eine klare Linie." Die Zutaten für Motivation sind für ihn insbesondere aber auch Lob und Anerkennung seiner Leistungen und Übertragung von Verantwortung.

Herausforderungen als Schlüssel der Motivation

Für Martin Roberg, Ausbilder und Betriebsleiter, ist Motivation ein entscheidender Faktor, um Mitarbeiter langfristig an den Betrieb zu binden. Sich selbst und die Mitarbeiter immer wieder neu zu fordern ist sein Schlüsselwert für die Motivation. Die Fähigkeiten des Einzelnen sind dabei entscheidend, um Über- und Unterforderung zu vermeiden. Arbeitnehmer/innen brauchen Anerkennung und Vertrauen. Saubere Absprachen u.a. bei Urlaub, Wochenenddienst und Bezahlung sollten für Arbeitgeber selbstverständlich sein.

 

Arbeitnehmertag

IG BAU-Vorstandsmitglied Harald Schaum (Mi.) fordert faire Bezahlung

Motivation durch faire Bezahlung

Harald Schaum, IG BAU-Bundesvorstand, geht u. a. auf die Bezahlung in der Landwirtschaft im Vergleich zu anderen Wirtschaftsbereichen ein. "Nur mit einer fairen Bezahlung können Fach- und Führungskräfte in der Landwirtschaft gehalten und junge Menschen auch in Zukunft für die Arbeit in der Branche motiviert werden." Die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer leisten hochqualifizierte und verantwortungsvolle Arbeit. Bei der Tier- und Pflanzenproduktion ist umfangreiches Know-how erforderlich. „Letztlich sind sie es, die dazu beitragen, dass hierzulande sichere und gesunde Nahrungsmittel auf den Tisch kommen“.