EFFAT bringt Charta gegen prekäre Beschäftigung heraus

EFFAT Kongress 2009

EFFAT Kongress 2009

Unter dem Motto: „Soziale Gerechtigkeit vom Feld auf den Tisch. Kampf der prekären Beschäftigung!“ brachte die Europäische Gewerkschaftsföderation für den Landwirtschafts-, Nahrungsmittel- und Tourismussektor (EFFAT) bei einer Pressekonferenz während ihres Kongresses in Berlin am 20. und 21.10.2009 die Charta gegen prekäre Arbeitsverhältnisse heraus. Statistiken über die betreffenden Sektoren weisen einmal mehr darauf hin, dass die Situation auf dem europäischen Arbeitsmarkt tatsächlich schlimmer wird und nicht besser.

Eine dramatische Veränderung der Arbeitsmärkte bedeutet, dass die EU heute weiter denn je vom Lissabon-Ziel entfernt ist. Das Einkommen der im Tourismus Beschäftigten ist durchschnittlich um 20 % niedriger als in anderen Sektoren, und eine beträchtliche Zahl von „verarmten Beschäftigten“ arbeitet im Gastgewerbe. Weit verbreitete prekäre Beschäftigungsverhältnisse, gepaart mit oft unsozialen Arbeitszeiten und wenigen Möglichkeiten zur Entwicklung von Qualifikationen, sind zusätzliche Faktoren, die zu starkem Personalwechsel und aktuellen Problemen führen, wie Krankenhauspersonal zu finden und es auch zu behalten. Außerdem findet man im Agrar- und Krankenhaussektor den höchsten Anteil von Zeitarbeitern (30 % der Arbeitsplätze in Hotels und Restaurants und 70 % der Arbeitsplätze in der Landwirtschaft). Darüber hinaus haben 16% der Facharbeiter in der Landwirtschaft und im Primärsektor prekäre Arbeitsverträge, und der Hotelsektor beschäftigt eine unverhältnismäßig hohe Zahl von Leiharbeitern in Teilzeit.

Mehr als 25 % der Arbeit in der europäischen Landwirtschaft wird nicht deklariert, und in vielen europäischen Ländern erreicht der Anteil der Schwarzarbeit im Krankenhaussektor gar 50 %. EFFAT-Generalsekretär Harald Wiedenhofer wies auf die verstärkt überhandnehmende Unsicherheit in der Beschäftigung in Europa hin und meinte, „sie betrifft unter anderem vor allem Leiharbeiter, Saison- und Wanderarbeiter sowie Scheinselbständige. Da die Arbeitgeber zunehmend trachten, die Lohnkosten zu senken, verschlimmert sich die Situation. Wir wissen, dass Flexibilität notwendig ist, aber Flexibilität, die ohne Einbindung von Arbeitnehmervertretern erreicht wird, ist bloß ein Ersatz für eine stabile Beschäftigung und führt zur Unsicherheit von Arbeitsplätzen. Unter dieser Situation werden auch die Arbeitgeber zu leiden haben, weil die Arbeitnehmer ihre Arbeit nicht mehr gerne tun, nicht motiviert und immer weniger qualifiziert sind. Dadurch entsteht ein Teufelskreis, der für die Wirtschaft kontraproduktiv ist. Wir sollten nach Alternativen suchen und sie gemeinsam mit den Arbeitgebern in Betracht ziehen!“.

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