EFFAT: 50 Jahre und kein bisschen leise

EFFAT Präsidenten

© EFFAT

Die europäischen Agrargewerkschaften blicken zurück und nach vorne

Ein halbes Jahrhundert sinnvolle und erfolgreiche Arbeit im Interesse der landwirtschaftlichen Beschäftigten – eine solche Bilanz kann sich sehen lassen. Mit diesem Bewusstsein feierten die Vertreter der europäischen Landarbeitergewerkschaften im italienischen Rapallo den 50. Geburtstag ihrer Organisation.

1958 hatten sich genau dort nationale Gewerkschaftsvertreter zusammengefunden, um im Geist der Römischen Verträge einen Beitrag zu einer einheitlichen europäischen Agrarpolitik (GAP) zu leisten, damit Krieg und Hunger in Europa endgültig der Vergangenheit angehören sollten.

Der Blick der europäischen Agrargewerkschafter, zu denen auch Vertreter der IG BAU gehörten, richtete sich aber nicht nur auf die Vergangenheit, sondern auch auf die Gegenwart und die Zukunft. Das Jubiläum verbanden sie mit einer Konferenz „Gegen illegale Beschäftigung und Schwarzarbeit – für mehr und bessere Beschäftigung in der Landwirtschaft Europas”. Die Konferenz von Rapallo formulierte Forderungen zur Verbesserung der Sozialstandards der GAP und übermittelte sie den EU-Institutionen.

Zentrales Problem: Saison- und Wanderarbeit

Ein zentrales Problem der europäischen Landwirtschaft von heute ist die Saison- und Wanderarbeit. Die soziale Situation der dort Beschäftigten ist dringend verbesserungsbedürftig. Konkrete Vorschläge des Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschusses (EWSA) dazu wurden auch von EFFAT unterstützt. Es geht um einen Beitrag zu einer nachhaltigen Gestaltung des EU-Agrararbeitsmarktes. In der EWSA-Stellungnahme „Beschäftigung in der Landwirtschaft”, die vom stellvertretenden IG BAU-Vorsitzenden und EWSA-Mitglied Hajo Wilms vorgetragen wurde, wurde gefordert, dass die Beschäftigten in der europäischen Landwirtschaft unabhängig von ihrer Herkunft in sämtlichen Belangen gleichgestellt werden müssen. Dringender Regelungsbedarf bestehe, so heißt es dort, bei den Mindeststandards zu den Arbeits- und Wohnverhältnissen, bei der sozialen Absicherung, so etwa beim Erwerb von Ansprüchen für die Altersrente, und bei der Qualifizierung.

In einer weiteren EWSA-Stellungnahme sprach sich der Ausschuss bessere soziale Absicherung der Arbeitsmigranten und für gleichen Lohn für gleiche Arbeit aus. Es müsse eine einheitliche europäische Definition der Arbeitsbeziehungen vereinbart werden, um Ausbeutungsverträge und Scheinselbstständigkeit zu verhindern. Die Übergangsregelungen für die Freizügigkeit der Beschäftigten aus neuen EU-Mitgliedsstaaten seien kritisch zu überdenken.

Basisinformationen über Beschäftigung in der Landwirtschaft

Thomas Hentschel, Direktor des PECO-Institus der IG BAU, stellte auf der EFFAT-Konferenz die vom PECO-Institut koordinierte Internetseite agri-info.eu vor, die u. a. dazu beitragen soll, genauere Informationen über die prekäre Situation der Arbeitsmigranten zu liefern. Mit dieser Website stehen nunmehr Basisinformationen über die wichtigsten Parameter für die Beschäftigung von Arbeitnehmern in der europäischen Landwirtschaft zur Verfügung, und zwar in sieben Sprachen. Darüber hinaus drängen die Sozialpartner der Landwirtschaft die EU-Kommission, ihrerseits ein umfassendes Europäisches Observatorium für die Beschäftigung in der Landwirtschaft einzurichten. Bisher hat die Kommission dazu noch keine Schritte unternommen. Die Sozialpartner haben daher begonnen, selbst an der Schaffung eines solchen Observatoriums zu arbeiten.

Ein zentrales Problem im Zusammenhang mit der Arbeitsmigration ist auch die illegale Beschäftigung in der europäischen Landwirtschaft. Sie nimmt in vielen Ländern zu. EFFAT sprach sich u. a. dafür aus, die Kooperation mit den Gewerkschaften der Herkunftsländer der der Arbeitsmigranten zu verbessern und die Wanderarbeiter schon dort über ihre Rechte zu informieren.

Beiträge zum besseren Arbeitsschutz

Logo EFFAT

Die Europäische Föderation der Agrargewerkschaften (EFA) wurde 1958 in Rapallo gegründet und schloss sich im Jahr 2000 mit den europäischen Lebensmittel- und Tourismusgewerkschaften zur Europäischen Förderation der Gewerkschaften Lebensmittel, Landwirtschaft und Tourismus zur EFFAT zusammen. Mit 2,6 Millionen Mitgliedern in rund 120 nationalen Gewerkschaften vertritt EFFAT als einzige repräsentative Organisation in der EU die rund 6,5 Millionen landwirtschaftlichen Arbeitnehmer.

 

EFFAT hat sich mit eigenen Beiträgen aktiv an der Europäischen Kampagne zur Verringerung der arbeitsbedingten Muskel-Skelett-Erkrankungen beteiligt, die von der Europäischen Arbeitsschutzagentur koordiniert wurde. Der Verband unterstützte Vorarbeiten in Deutschland und Polen zur Einrichtung nationaler Beobachtungszentren zu diesen Erkrankungen. Jetzt beteiligt sich EFFAT wiederum an der Europäischen Kampagne zu Gefährdungsbeurteilungen, die in den Jahren 2008 und 2009 läuft. Hier werden Beiträge der Agrar-Sozialpartner vorbereitet. Mit den Sozialpartnern der chemischen Industrie (EMCEF für die Arbeitnehmer, CEFIC für die Arbeitgeber) konnte ein erster Schritt zur Verbesserung des Arbeitsschutzes der landwirtschaftlichen Arbeitnehmer beim Umgang mit gefährlichen Pflanzenschutzmitteln vereinbart werden. Im nunmehr abgeschlossenen Projekt „Krisen durch biologische Gefahr- und Arbeitsstoffe” entwickelten die Agrargewerkschaften praktikable Informationen zum Umgang mit biologischen Arbeitsstoffen, von denen gerade in der Landwirtschaft erhebliche Gesundheitsrisiken ausgehen.

Weitere Informationen unter » www.effat.org