Dialog mit ukrainischer Landarbeitergewerkschaft fortgesetzt

Teilnehmer des Workshops

© PECO-Institut

Am 1. und 2. Juli 2009 trafen sich Gewerkschafter der IG BAU mit polnischen und ukrainischen Gewerkschaftern zu einem Workshop in Odessa. Themen waren der Strukturwandel in der ukrainischen Landwirtschaft und der Erfahrungsaustausch mit der Umwandlung der Landwirtschaft in Deutschland und in Polen.

In der Ukraine erfolgt eine rigorose Privatisierung der landwirtschaftlichen Böden. Dies führt zu einem Auseinanderfallen der großen Kolchosen und Sowchosen (Genossenschaften und Gütern). Mit den an die ehemaligen Eigentümer zurückgegeben Grundstücken kann man jedoch kaum eine gute Landwirtschaft betreiben. Andererseits machen die guten Böden, die Nähe zum westeuropäischen Markt sowie die niedrigen Lohnkosten das Land interessant für ausländische Investoren.

In dieser Umbruchszeit sucht die ukrainische Gewerkschaft nach Orientierung und Unterstützung auch von anderen Gewerkschaften. Angesichts der Diskussion um die Öffnung des Arbeitsmarktes für Saisonarbeitskräfte in Richtung Ukraine, der Zunahme von transnational agierenden Agrarunternehmen und eine weitere Öffnung der Agrarmärkte ist der Kontakt für uns zu den dortigen Gewerkschaften wichtig.

Auf dem Workshop wurde von der IG BAU betont, dass der neu entstehende Konkurrenzkampf zwischen den Unternehmen nicht zulasten der Beschäftigten gehen darf. Die Darstellung der Umwandlung von Betriebsgewerkschaften zu einer stärkeren Branchenorientierung der Gewerkschaften in Deutschland mit der Tarifhoheit der IG BAU in der Landwirtschaft stieß auf großes Interesse. Schließlich muss verhindert werden, dass die Betriebsgewerkschaften für den Konkurrenzkampf der Unternehmen funktionalisiert werden. Die innergewerkschaftliche Demokratie und die Struktur der Gewerkschaft war ein weiterer Themenschwerpunkt des Workshops.

Nach einer zweitägigen intensiven Diskussion waren sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer darüber einig, dass der Dialog fortgesetzt werden soll. Für die IG BAU bietet sich dabei die Möglichkeit, sehr viel Informationen über die Probleme in der Ukraine zu erfahren. Auch wenn ein EU-Beitritt nicht auf der Tagesordnung steht, wird die wirtschaftliche Verflechtung mit dem großen Nachbarn im Osten zunehmen.