Der fesche Dinosaurier unter den Sozialdialogen in Europa

50 Jahre Sozialer Dialog

Arnd Spahn (EFFAT), Chris Botterman (GEOPA), Jean-Paul Tricart (Kommission) und Hajo Wilms (EWSA) beim Round-Table-Gespräch

50 Jahre europäischer sektoraler sozialer Dialog der Landwirtschaft

Der europäische Ausschuss für den sozialen Dialog in der Landwirtschaft bringt seit 1963 regelmäßig Arbeitgeber- (GEOPA) und Arbeitnehmervertreter (EFFAT) aus den Mitgliedstaaten der Europäischen Union an einen Tisch, um über die sozialen Probleme der landwirtschaftlichen Arbeitnehmer zu beraten und gemeinsame Lösungen für diese Probleme zu entwickeln, einzufordern und umzusetzen.

Das Besondere dabei ist: der Sektor Landwirtschaft war damit der erste und über Jahrzehnte der einzige Sektor, der den sozialen Dialog pflegte und frühzeitig versuchte, grenzübergreifende Regelungen für die landwirtschaftlichen Beschäftigten in der EU zu finden.

50 Jahre europäischer sektoraler sozialer Dialog der Landwirtschaft. Das wurde in Brüssel gemeinsam von Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertretern gefeiert. Zur Feierstunde war auch der EU-Kommissar der Generaldirektion Beschäftigung, László Andor, zugegen, um die gute Zusammenarbeit zu loben. Das passierte in den anderen Sektoren, wo die Sozialdialoge sehr viel jünger sind, bisher nicht. Er lobte die Entschließung für die zukünftigen Aufgaben und rief die Sozialpartner dazu auf, sich gemeinsam mit ihm darum zu bemühen, dass das Instrument Europäische Innovation (EIP) auch die soziale Innovation nicht aus den Augen verliert. EIPs sind Teil der ELER-Reform und sollen zum beschleunigten Transfer wissenschaftlicher Erkenntnisse in die landwirtschaftliche Praxis beitragen. Bisher liegt das Augenmerk stark auf technischen Neuerungen und vergisst die Menschen in der Landwirtschaft.

Während des runden Tischs um die Zukunft des sektoralen sozialen Dialogs spielte die Wanderarbeit eine große Rolle. Vertreter von Kommission, EFFAT, GEOPA und der EWSA (Europäische Wirtschafts- und Sozialausschuss) waren sich einig, dass es in diesem Feld noch viel zu tun gibt. Immerhin arbeiten 4 Millionen Wanderarbeiter in der europäischen Landwirtschaft, und dass unter teilweise inakzeptablen Bedingungen. Der Abteilungsleiter für Sozialdialog und industrielle Beziehungen der Kommission, Jean-Paul Tricart, bot den Sozialpartnern Unterstützung an und verwies auf noch unausgeschöpfte Mittel, die nur darauf warten, abgerufen zu werden.

Der Ausschuss des sektoralen Sozialdialogs Landwirtschaft vertritt auf Gewerkschaftsseite über 7 Millionen Arbeitnehmer und auf Arbeitgeberseite über 1 Million Arbeitgeberbetriebe in der europäischen Landwirtschaft.

Neuere Errungenschaften waren 1997 das Abkommen über Arbeitszeit in der Landwirtschaft, 2002 das Abkommen über Berufliche Bildung und 2005 das Abkommen gegen Muskel-Skelett-Erkrankungen.

Lisa Bauch / FSI